Ein Treffen der besonderen Art

Die deutsche Abschlussklasse von 1954 des Gheorghe Lazăr-Lyzeums erinnert sich

Ausgabe Nr. 2546

 

Sieben ehemalige Schüler der ersten deutschen Klasse am Gheorghe Lazăr-Lyzeum, die 1951 eingerichtet wurde, trafen sich am vergangenen Mittwoch in Hermannstadt. Im Jahr 1954 hatten die Teilnehmer des Treffens die Matura abgelegt. Auf dem Programm standen mehrere Ausflüge in die Umgebung, eine Andacht in der Johanniskirche im Herzen der Stadt sowie ein Besuch in der alten Schule.

 

Seit Jahren treffen sie sich regelmäßig – allerdings fanden die früheren Klassentreffen immer in Deutschland statt. Dieses Jahr nun ist ein besonderes: Die ehemaligen Schüler der Klasse, die damals 41 Schüler zählte, feiern ihren 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass fand das Treffen in diesem Jahr in Rumänien statt.

Die erste Station am Morgen dieses 6. September ist die ehemalige Lehr- und Lernstätte, die sie alle verbindet. Man besucht die Eingangshalle, macht erste Fotos. Anschließend wird das Grüppchen im Bibliothekssaal der Schule durch Schulleiter Gabriel Octavian Negrea herzlich empfangen.

Der Schulleiter schlägt in seiner Rede eine Brücke zum Jetzt: Er beginnt bei den Schülern, die heute an seiner Schule lernen, die ebenfalls oft sehr lange mit der Schule verbunden bleiben, auch wenn viele von ihnen das Land verlassen, um als Arzt oder Informatiker im Ausland zu arbeiten. Er zieht eine Parallele zu den Anwesenden – und bedauert, dass auch einige von ihnen irgendwann gegangen sind.

Nach den Eingangsworten wird das alte Klassenbuch herumgereicht, die Eintragungen der Lehrer gelesen, bei manchem wird die Kladde schnell lachend weitergereicht. Mit dem langen Zeitabstand und der Perspektive von heute ändert sich auch die Sichtweise auf manche Noten, die damals so wichtig erschienen. Die Fünf war damals die höchste Note.

Man erinnert sich an manche Lehrer und Lehrerinnen wie Harald Krasser, Hans Tobi und Astrid Wiesenmayer, die prägend waren. Einige von ihnen hätten, so berichten die Schüler, einen Unterricht geboten, der für die damaligen Verhältnisse sehr mutig war und sich den Vorgaben der sozialistischen Führung widersetzte. Die Beschäftigung mit deutscher Literatur fiel so manchmal sehr intensiv aus – ein Lehrer unterrichtete damals ein ganzes Jahr Goethes „Faust“. Aber auch die Erinnerung an den Frontalunterricht, die Präzision einiger Lehrkräfte – und an die Zweideutigkeit mancher Unterrichtsinhalte ist lebendig geblieben.

Bei der Andacht in der Johanniskirche, dem Spaziergang durch die Stadt und dem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „Hermania“ ist der Zusammenhalt, den die ehemaligen Schüler immer wieder erwähnen, spürbar. Dass er in dieser Form weiterhin erhalten bleibt und noch zahlreiche weitere Treffen stattfinden bleibt zu hoffen. Den ehemaligen Schülern der deutschen Abschlussklasse von 1954 jedenfalls ist es zu wünschen.

Aurelia BRECHT

 

Die sieben (drei von ihnen in Begleitung ihrer Gattinnen) vor dem Haupteingang des Gheorghe Lazăr-Lyzeums: Niculae Mircea, Christoph Klein, Georg Hienz, Martin Hess, Rudolf Bertleff, Hans Auner, Günther Kotschick (v. l. n. r.).                                                    

Foto: Beatrice UNGAR

 

 

 

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