Viel Herzblut für Blumen

Sara Eiwendt, die Blumenhändlerin von Neppendorf
Ausgabe Nr. 2543

 

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„Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.“ Johann Wolfgang von Goethe konnte es nicht besser ausdrücken. Blumen sind die schönste Sprache der Welt. Kein Geschenk ist komplett ohne Blumen. An Mariä Himmelfahrt, am 15. August, ging es auf dem Zibinsmarkt zu, wie in einem Bienenstock. Männer und Frauen waren auf der Suche nach den schönsten Blumensträußen für ihre Verwandten und Bekannten, die an dem Tag ihren Namenstag feierten. Unzählige Blumenstände lockten mit Angeboten, doch ein einziger stach aus der Menge hervor: das Wagerl von Sara Eiwendt aus Neppendorf.

 

Die Landlerin, die am kommenden Sonntag ihren 66. Geburtstag feiert, ist auf dem Zibinsmarkt jedesmal ein Hingucker. In ihrem feschen Dirndl und dem Blumenkränzchen im Haar und vor allem immer gut gelaunt und hilfsbereit bietet sie ihre bunten Blumensträuße an. Am Wochenende und an Feiertagen schiebt sie ihren schweren Holzkarren, in dem schon ihre Mutter die Blumen zum Verkauf anbot, aus Neppendorf, die stark befahrene Alba-Iuliei-Straße hoch, am Zibinsufer entlang bis zum Zibinsmarkt. Das sind fast drei Kilometer zu Fuß. Es macht Sara Eiwendt nichts aus. Sie strahlt einen geradewegs ansteckenden Optimismus aus. Bevor sie ihre Blumen zur Schau stellt, begrüßt sie die anderen Verkäufer und Händler freundlich. Goldregen, rostige, braune und gelbe Sonnenblumen, Sommerlilien, Gladiolen, Mombretien, Dahlien und Kornblumen, alle wachsen in ihrem Garten in Neppendorf. Die Leidenschaft für Blumen hat Sara Eiwendt im Blut. Ihr Großvater war Kapellmeister bei der „Blasia“, hat aber nebenbei immer Blumen verkauft. Schon ihre Mutter schob das Blumenwagerl zum Markt und jetzt ist Sara selbst mit „viel Herzblut“, wie sie selber zugibt, dabei.

Bis 1981 lebte sie in Rumänien, arbeitete für kurze Zeit in einem Bücherkiosk in Hermannstadt, wanderte dann mit ihrem Mann nach Deutschland aus. Nach einer Lehre zur Bürokauffrau arbeitete Sara Eiwendt an der Börse und später bei den Stadtwerken München. Als sie in Rente ging, fiel sie, wie sie es selber ausdrückt „in ein tiefes Loch“, also suchte sie nach einer neuen Betätigung. „Eines Tages ging ich am Münchner Ostbahnhof spazieren und sah vor einem Blumenladen eine schwarze Tafel auf der stand: Aushilfe gesucht! Am nächsten Morgen um halb acht stand ich im Laden.“ Wasser vom Brunnen holen, Dornen und Blätter von Rosen entfernen, Gerbera mit Draht umwickeln und kleine Sträuße binden, waren Saras Aufgaben. Fast zwei Jahre lang arbeitete sie im Blumenladen, bis eine ausgebildete Floristin eingestellt wurde und die Neppendorferin gehen musste. „Dann entschied ich mich, wieder nach Hause zu kommen, hier meine eigenen Blumen anzubauen und sie selber zu verkaufen“, erzählt die am meisten fotografierte Händlerin vom Markt. Seit drei Jahren kommt Sara Eiwendt im Sommer sporadisch nach Neppendorf und 2016 war sie zum ersten Mal ein halbes Jahr am Stück hier. „Auf dem Zibinsmarkt fühle ich mich wohl, es ist ständig etwas los.“ Der Umgang mit den Menschen scheint Sara zu liegen. Viele Kunden umarmen sie zur Begrüßung. „Wenn du höflich bist, fliegen dir die Herzen zu“, meint Sara, während sie die letzten beiden Sträuße bindet. An diesem Feiertag gingen die Blumen weg wie heiße Semmeln. Das sei nicht immer so, meint die sympathische Blumenhändlerin.

Da sie sowohl in Deutschland als auch in Rumänien gelebt hat, liegt die Frage nahe, wo sich Sara Eiwendt am besten fühlt: „Ich fühl mich hier am besten. Ich weiß nicht, ob die ersten 30 Jahre, die ich in Rumänien verbracht habe, derart prägend für mich waren. Aber das Leben hier tut mir gut! Man kann hier sehr offen und direkt sein, was in Deutschland nicht unbedingt der Fall ist. Und ich bin eigentlich ein offener Mensch. Hier gehör ich dazu. Hier fragt mich keiner, woher ich komme. Hier gibt es diese Herzlichkeit, diese Wärme, die ich spüre. Deshalb zieht das Herzchen auch her.“

Hier feiert Sara Eiwendt ihren 66. Geburtstag. Die Mitarbeiterinnen der Hermannstädter Zeitung schließen sich den Gratulanten an und wünschen dem Geburtstagskind alles Gute und Liebe, viele bunte Blumensträuße und zufriedene Kunden!

Cynthia PINTER

 

Sara Eiwendt mit ihrem Blumenwagerl.

Foto: die Verfasserin

 

 

 

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