Im Theater wie im Leben…

Stationentheater in der Heltauer Kirchenburg als internationale Kooperation
Ausgabe Nr. 2540

 

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Unter dem Motto „Entfernt und doch verbunden” wurden vom vergangenen Freitag bis gestern die Heltauer Tage organisiert. An dem reichhaltigen Programm nahmen nicht nur Heltauer aus dem In- und Ausland teil, sondern auch viele Hermannstädter und Touristen. Insbesondere die Vorstellung des Stückes „De Kirchenväter vin Hiëlt” (Die Kirchenväter von Heltau) am Montag Nachmittag war sehr gut besucht, gespielt wurde das Stück am Original-Schauplatz in Mundart.

 

Begrüßt wurden die Gäste von nah und fern im Rahmen der „Heltauer Kurturtage” bereits am Freitagnachmittag. Am Wochenende und im Laufe der Woche war das Angebot für Groß und Klein sehr reichhaltig, mit Ausstellungseröffnung, „Schnitzeljagd“, Gedenkfeier auf dem Friedhof, Gottesdienst, Konzert, Wanderungen in der Umgebung und natürlich jede Menge gemütliche Treffen bei Kaffee und Kuchen.

Sehr gut besucht war auch die Aufführung am Original-Schauplatz mit Wanderbühne des Stückes „De Kirchenväter vin Hiëlt” von Anna Schuller-Schullerus (1924), Sigrun Gyurgyevich (1947), überarbeitet von Horst Deptner, der auch die Spielleitung übernahm. Geprobt wurde in den letzten Monaten getrennt, denn ein Teil der Schauspieler probten in Deutschland und ein Teil in Rumänien. Das war weiter kein Problem, denn das Laientheater erntete großen Applaus.

Horst Deptner sprach am Anfang einige Worte zum Stück und zu den Schauspielern, die sich der Reihe nach präsentierten und eine für ihre Rolle spezifische Aussage machten und die Zuschauer zum Lachen brachten. Die Handlung des Stückes stützt sich auf einige geschichtliche Fakten rund um die Heltauer evangelische Kirche und um das soziale Leben im 18. Jahrhundert.

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Lászlo Zorán Kézdi, der Pfarrer von Heltau spielte die Rolle des Heltauer Pfarrers aus dem 18. Jahrhundert und Horst Winzel spielte den alten Kirchenvater, Peter Gündisch. Den jungen Kirchenvater Michael König spielte Heinz W. Hermann, dessen Frau Grit spielte Reinhild Stieger, ihre älteste Tochter Gritchen war Silke M. Kühn, die jüngsten Kinder Maio und Mischo spielten Johanna und Stefan Kézdi. Die Nachbarfamilie Getz und Treng Paulini spielten Bernhard H. Schneider und Doris Hofmann, ihre beiden Kinder Trengchen und Getzo spielten Miriam Henning und Björn U. Scheiner. Die alte Frau Matthes Fi – die intrigante Nachbarin, die in keinem Stück über das Dorfleben fehlen darf -, spielte Karin Winzel und Johann Krech spielte die Rolle des Kurators Michael Lorenz. Johann Kellner spielte die Rolle des alten Mannes Michael Gündisch, Harald Henning spielte einen jungen Mann und Bettina Henning ein Mädel. Viel Unterstützung erhielten die Schauspieler von den beiden Souffleusen Roswitha Deptner und Carmen Schneider, die durch die sehr gute Technik für die Zuschauer nicht zu hören waren. Top war auch der Sound, trotz der großen Höfe und der vielen Menschen war jedes Wörtchen und Geräusch zu hören.

Versteckte Liebesgeschichten, streitende Familien, Ehrgeiz und Geld vermischten sich mit der Legende des Heltauer Kirchenschatzes und mit dem geschichtlich belegten Bau des ersten Blitzableiters östlich von Wien im Jahr 1797. Immer wieder durften auch die Zuschauer Teil des Stückes sein und mitsingen – Liederhefte waren ausgeteilt worden -, da merkte man gleich, dass die vielen Heltauer trotz der Entfernung, in der sie größtenteils von ihrem Heimatort wohnen, eine starke und geschlossene Gemeinde bilden.

Gespielt wurde das Stück in den unterschiedlichen Höfen der Heltauer Kirchenburg, die Zuschauer zogen mit den Schauspielern von Ort zu Ort mit. Trotz spätem Nachmittag war es doch recht heiß, so dass die Idee der Organisatoren, Wasserflaschen zu verteilen, sehr gerne angenommen wurde. In der Pause stärkten sich die Gäste bei „Boflischgehackzel“ – bekannt auch als „evangelischer Speck” -, Schmalzbrot mit Zwiebeln, Hauswein und Sirup, ein Leckerbissen für alle Gäste.

Weiter ging es dann erst vor der Kirche, wo auch die Aktion nach einem Zeitsprung weitergeführt wurde. Hier versammelten sich im Stück (und in der Realität) die Gemeinde, denn der Pfarrer hatte Wichtiges mitzuteilen.

Ende gut, alles gut – in der Kirche, wohin auch die Gäste geführt wurden, kam das Liebespaar wieder zusammen und die Familien versöhnten sich. Das Geheimnis des Kirchenschatzes wurde offenbart. Mit einem erneuten Schwur zu „Volkstreue und Glauben“ klang das Stück aus und zur Freude der Zuschauer war der Kirchenschatz eine Truhe voller Goldtaler: Kaubonbons, die an die Gäste verteilt wurden.

Beim Ausgang aus der Kirche spendeten die Gäste für die Gemeinde und verbrachten weiterhin einen gemütlichen Abend, bei dem ausgiebig erzählt wurde, so wie es sich bei einem Heimattreffen gehört.

Am Donnerstag fanden die Heltauer Kulturtage den Ausklang, gefeiert wird allerdings weiter, denn in Hermannstadt findet das Sachsentreffen statt und auch in der folgenden Woche und am Wochenende werden weitere Veranstaltungen und HOG-Treffen in den siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden organisiert, wo man ausnahmslos herzlichst eingeladen und empfangen wird.

Ruxandra STĂNESCU

Foto 1: Im Theater wie im Leben: Im Pfarrhof von Heltau hat sich die Altschaft (Presbyterium) versammelt, um einen zweiten Kirchenvater zu wählen: Honn und Kurator Johann Krech (mit Stock) diskutiert über den Einbau eines Blitzableiters mit den beiden Kirchenvätern Peter Gündisch (vorne links) und Heinz W. Hermann (vorne rechts).

 

Foto 2: Die zwei Souffleusen Roswitha Deptner und Carmen Scheiner verfolgten aufmerksam das Gespräch zwischen Treng – Doris Hofman – und der Nachbarin Matthes Fi – Karin Winzel.        

Nach dem Imbiss folgten die zwei Akte des Stückes auf dem Kirchhof und dann auch in der Kirche.                                     

Fotos: Ruxandra STĂNESCU

 

                

 

 

 

 

 

 

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