Anderssein ist gut

Eine Weltpremiere am Gong-Theater
Ausgabe Nr. 2530

 

1-kinderzimmerzauberei

Bi, ba, bussi-buss, eins, zwei, drei, Zauberei! Verzaubert waren Kinder wie Erwachsene von der bunten und fantastischen Welt der „Kinderzimmerzauberei“, einer Puppentheatervorstellung von Elise Wilk, die am Sonntagmittag, den 14. Mai, an der deutschen Abteilung des Hermannstädter Gong Kinder- und Jugendtheaters Weltpremiere feierte. Das Theaterstück wurde vom Gong-Theater in Auftrag gegeben und was dabei herausgekommen ist, lässt sich sehen. Auch mehrmals. Elise Wilks erstes Theaterstück für Kinder war ein riesiger Erfolg.

Die erste Vorstellung war ausverkauft. Ein Rat an die Eltern, die Eintrittskarten rechtzeitig zu besorgen und sich nicht darauf zu verlassen, dass zum Beginn der Veranstaltung noch Karten übrig bleiben. Die Vorpremiere fand im Saal im obersten Stockwerk statt, wo sich noch vor wenigen Wochen laufend Eltern beschwerten, dass ihre Kinder von den hinteren Reihen nichts auf der Bühne sehen konnten. Das ist jetzt anders. Der Theatersaal im Obergeschoss wurde umgestaltet und hat nun Sitzreihen in Stufen, so dass auch die hinterste Reihe die höchste ist und von der aus man auch gut sehen kann, was auf der Bühne passiert.

Alle konnten die Geschichte der Fee, die nicht zaubern kann, mitverfolgen. Ganz genau! Eine Fee, die nicht zaubern kann und deswegen arbeitslos ist. Das gibt es! So wie es ängstliche Drachen gibt, oder Giraffen mit kurzem Hals, schlanke Elefanten, blaue Bananen oder Schnee im August. Die Fee, die nicht zaubern kann und dazu noch Höhenangst hat, landet plötzlich in einem Kinderzimmer eines wunschlos unglücklichen Jungen. Hier trifft die Fee einen kurzsichtigen, Kekse liebenden Staubsauger, einen rumänisch sprechenden Meteoriten vom Planeten der unerfüllten Wünsche, ein ferngesteuertes Flugzeug, ungeöffnete, lebendige Geschenke und einen Spielzeug-Dinosaurier. Und dann schaffen es diese lustigen, wie zufällig zusammengewürfelten Gestalten, den einzigen Wunsch des Jungen in dessen Kinderzimmer die Handlung vonstatten geht, zu erfüllen. Der Junge bekommt einen Freund.

Man fragt sich als Zuschauer schon, wie eine Fee mit einem Staubsauger und einem Meteoriten zusammenpassen. Aber das tun sie auf eigenartige Weise, denn auf der Bühne ist eben alles möglich. Regie führte die junge Klausenburgerin Leta Popescu. Dazu sei ein großes Lob auch an die Bühnenbildner Tiberiu Toițan und Oana Micu ausgesprochen. Eine total weiße Bühne mit einem von Spielsachen umrahmten Schrank ist zwar minimalistisch, aber genug, denn bunte Lichteffekte, Rauchschwaden und Seifenblasen sorgen ordentlich für Unterhaltung bei den Kleinen im Zuschauerraum. Und dann sind da noch die Puppen. Eigentlich ist bloß die Fee in dem Sinne eine Marionette. Der Staubsauger ist fast schon ein Roboter, der Farben wechseln und Rauch blasen kann. Und der Meteorit ist eine Mischung aus beiden. Und dann sind da noch die Zeichnungen der begabten Künstlerin und Schauspielerin Lucia Mărneanu, die seitlich projiziert werden und den dynamischen Rhythmus der Geschichte verbildlichen und dadurch verständlicher machen.

Last but not least: Hut ab an die Schauspieler! Angela Paskuy (die Fee), Claudia Stühler (der Staubsauger), Leo-Nora Băcanu (Geschenke, Dinosaurier) und Paul Bondane (der Meteorit, das Flugzeug) sind laut Theaterleiter Adrian Tibu „eines der schönsten Teams, das sich ein Theater wünschen könnte.“

„Kinderzimmerzauberei“ erzählt von erfüllten und unerfüllten Wünschen und von zerstörten Vorurteilen. In dem Stück lernen Groß und Klein, dass es gut ist, anders zu sein.

Cynthia PINTER

 

Szenenfoto mit Staubsauger, Fee, Flugzeug, Dinosaurier und den Schauspielern Claudia Stühler, Paul Bondane, Angela Paskuy und Leo-Nora Băcanu (v. l. n. r.).                                           Foto: Cynthia PINTER

 

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