Vom rohen Brett zum ersten Soundcheck

Abschluss des Weiterbildungskurses in der Orgelbaulehrwerkstatt in Honigberg
Ausgabe Nr. 2521
 1-honigberg

Vom rohen Brett bis zum ersten Soundcheck ist ein langer Weg, den wir zusammen gegangen sind. Ich freue mich sehr für die junge Mannschaft und wünsche ihnen in Zukunft viel Erfolg“, sagte die Schweizer Orgelbauerin Barbara Dutli beim festlichen Abschluss des zweijährigen Weiterbildungskurses für bereits ausgebildete Orgelbauer und Schreiner am Samstag in der Orgelbaulehrwerkstatt in Honigberg, ein aus Mitteln des Schweizerischen Beitrags an die erweiterte Union cofinanziertes Projekt. Dutli leitet seit 14 Jahren diese Lehrwerkstatt, die von der Stiftung Fundația pentru pregătire profesională din România (Stiftung für Berufsausbildung in Rumänien, FPPR) in Partnerschaft mit der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien betrieben wird. Im Rahmen des zweijährigen Projekts haben die fünf ausgewählten Teilnehmer unter ihrer Koordination zwei wertvolle Instrumente aus zwei unterschiedlichen Epochen restauriert und als krönenden Abschluss eine neue Hausorgel geplant und gebaut.

 

Ernst Leonhardt, Präsident der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien, schrieb in seinem von Ulrich Grendelmeier, Mitglied im Stiftungsrat, verlesenen Grußwort u. a.: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Projekt unsere beiden Jungunternehmer, denen wir den Werkstattbetrieb vor kurzem übereignen konnten, sowie weitere qualifizierte Mitarbeiter fachlich und auch in Sachen Management so weiterbilden konnten, dass sie ihre berufliche Zukunft nun auch alleine meistern können sollten.“ Bei den beiden Jungunternehmern handelt es sich um Daniel Popovici, Geschäftsführung der Schreinerwerkstatt, und Arpad Magyar, Geschäftsführung des Orgelbaus, die gemeinsam mit den Orgelbauern Petrică Mihoc, Robert Nagy und Endre Denes an der neuen Orgel gearbeitet haben.

In ihrer Ansprache sagte Barbara Dutli: „Ein Instrument von Grund auf zu konstruieren ist eine Herausforderung. In einer Orgel wie dieser hier, bei der die Normen und technischen Anforderungen einer großen Kirchenorgel entsprechen, braucht es gut durchdachte Lösungen, um mit den gegebenen Platzverhältnissen zurecht zu kommen. In diesem Instrument verbergen sich 354 Pfeifen, die größte entspricht einer Länge von 2,4 m, die kleinste der Länge eines Fingernagels.

Im Rahmen dieses Projektes bekamen wir professionelle Unterstützung von dem Schweizer Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer, der zwei Volontärkurse anbot, um technische Lösungen zu finden und mit den Teilnehmern die Skizzen für die Planung vorbereitete. Das Bauen der Orgel, wie sie hier zu sehen und bald zu hören ist, wurde selbstständig von den Teilnehmer realisiert. Sowohl die Schreinerarbeit als auch die spezifische Ausführung der Orgelbautechnik kann mit dem Niveau des Westens zweifelsohne verglichen werden“.

Der Weiterbildungskurs umfasste Fächer wie Konzepterarbeitung für historische Orgeln, Restaurierung und Rekonstruktion von Orgeln und Tischlereiobjekten, Dokumentation und Illustration, Management, Kostenkontrolle und Betriebsführung. Dazu kam die Vertiefung der Berufskenntnis im praktischen Bereich.

Die Gäste der Veranstaltung konnten die Werkstatt besuchen und sich selbst davon überzeugen, was schon geleistet worden und was noch zu leisten ist.

4-botschafter-mit-jurg

Besonders erfreut waren die Projektpartner über die Anwesenheit des Schweizer Botschafters S. E. Urs Herren und dessen Gattin. Botschafter Herren dankte Barbara Dutli und dem ganzen Team, beglückwünschte sie für das gelungene Projekt und wünschte allen „viel Erfolg und viel Glück und dass alle, die mitmachen, auch viel Zufriedenheit finden“. Desgleichen bat er die SSOR-Vertreter, „beste Wünsche an die Stiftung und die Stiftungsmitglieder“ zu überbringen, „die jahrelang treu dabei geblieben sind“.

Den Soundcheck machte der Schweizer Musiker Jürg Leutert, Musikwart der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, auf kurzweilige Weise: Er begleitete mit zu dem jeweiligen Land passenden Musikstücken den (virtuellen) Transport des Instruments von Honigberg in die Schweiz, wo der Auftraggeber, übrigens ein ehemaliger Schüler Leuterts, lebt und arbeitet. Im Anschluss wurde im ehemaligen Pfarrhaus der von der Michael-Schmidt-Stiftung finanzierte Dokumentarstreifen über die (von derselben Stiftung finanzierte) Restaurierung der Orgel in der evangelischen Kirche in Deutsch-Kreuz gezeigt.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Der festliche Abschluss des zweijährigen Weiterbildungskurses für bereits ausgebildete Orgelbauer und Schreiner in der Orgelbaulehrwerkstatt in Honigberg, ein aus Mitteln des Schweizerischen Beitrags an die erweiterte Union cofinanziertes Projekt, fand am Samstag in Honigberg in Anwesenheit vieler Gäste statt. Unser Bild: Barbara Dutli (1. v. l.) und Arpad Magyar, Geschäftsführung des Orgelbaus (2. v. l.) bei der Vorstellung der neuen Hausorgel.

 

 

Foto 2: Botschafter Urs Herren (links) im Gespräch mit Musikwart Jürg Leutert.

 

Fotos: Beatrice UNGAR

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft, Kirche, Kunst, Musik.