Das Böse durch gute Musik vertreiben

Die erste EP der Hermannstädter Musikband „Domino“ ist erschienen
Ausgabe Nr. 2520
 

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Lange Zeit war es still um sie. Und Stille ist nicht etwas, was man von ihren Konzerten kennt. Gemeint sind die Jungs der Hermannstädter Band „Domino“. Und dann kam die Überraschung: Am 17. Februar d. J. stellten sie ihr erstes Musikalbum vor. „Haida“ ist der erste Teil der Trilogie „Fuga Lolelor“ (Urzellauf) und enthält sechs Songs. Eigentlich handelt es sich um eine EP. „Eine EP – das kommt aus dem Englischen Extended Play – ist ein Tonträger, der zwischen Single und Album (LP – Long Play) einzuordnen ist“, erklärt Sebastian Marcovici in einem Gespräch für die Hermannstädter Zeitung. Es wird also noch zwei weitere EP`s geben, die zusammen die Trilogie „Fuga Lolelor“ bilden werden.

 

Noch einmal von vorne, für diejenigen Leserinnen und Leser, denen die Band „Domino“ unbekannt ist. Gegründet wurde die Band am 21. Dezember 2012. Damals bestand sie aus Romulus Cipariu (Zymbal, Gesang), Sebastian Marcovici (E-Bass, Gesang) und Valentin Oancea (Trommeln). Die drei, deren Lieblingsmusikrichtung der alternative Rock war und ist, begannen wie jede Musikband Coverversionen ihrer Lieblingssongs zu spielen. Die Besonderheit, die es bisher noch nie in dieser Kombination gegeben hat: das Zymbal. Zuschauer und Medien fanden sofort Gefallen an dem Klang von Welthits wie „Feeling Good“ (Nina Simone/Muse), „Come Together“ (Beatles) oder „Personal Jesus“ (Depeche Mode) auf dem Zymbal. So etwas gab es eben noch nie. Ein Musikinstrument, das man sonst als Begleit-
instrument in der rumänischen Volksmusik kannte, wurde im Musikgenre Alternativer Rock als Hauptinstrument eingesetzt. Der rumänischen Volksmusik blieben die drei Dominos ebenfalls nicht fremd. Rockige Varianten von „Bun e vinul ghiughiuliu“ (Maria Tănase) oder „Fost-am aseară la fete“ (Frații Petreuș) luden die Fans bei den ersten Domino-Konzerten zum Tanz ein.

Heute zählt die Band zwei weitere Mitglieder: Medve Sandor (Trompete) und Claudiu Urse (Synthesizer, Gesang). Durch Claudiu Urse, der einige Rap-Solos in den neuesten Songs eingebaut hat, bricht eine neue Ära an. „Auf der zweiten EP, die „Hona“ heißen wird, wird ein neuer Musikstil zu hören sein. Es werden Lieder darauf sein, deren Musik und Texte von uns stammen“, erzählt Bandleader Sebastian Marcovici, der eine Zeit lang als Redakteur bei der Hermannstädter Zeitung gearbeitet hat. Auf der aktuellen EP ist alternativer Ethnorock vom feinsten zu hören; rumänische Trink- und Spielmannsmusik (muzică lăutărească) wird mit dem Rhythmus der modernen Rockmusik vereint. Wie das klingt, kann man sich auf Youtube auf dem Channel der Band „Domino Sibiu“ anhören. Die EP „Haida“ gibt es nur bei Konzerten zu kaufen, die Songs kann man von verschiedenen Streams kostenlos herunterladen.

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Wie es zum Titel der Trilogie „Fuga Lolelor“ (übersetzt „Der Urzellauf“) kam? Sebastian Marcovici klärt auf: „Der Urzellauf ist eine Tradition, die typisch für unsere Hermannstädter Gegend ist. Die Urzeln wollen mit ihren schreckenerregenden Masken die bösen Mächte vertreiben. Wir versuchen das Böse auf der Welt durch unsere Musik zu vertreiben.“

Als nächstes plant die Band eine kleine Tournee, um die neue EP vorzustellen. Dann geht es wieder ins Studio, um die zweite EP aufzunehmen. „Wir würden viel öfter in Hermannstadt spielen. Leider geht das nur sehr schwer, weil es wenige Klubs gibt, in denen das möglich ist. Wir brauchen Platz, eine gute Verstärkeranlage, Schalldämpfung. In anderen Großstädten ist das kein Problem. In Hermannstadt ist das kaum möglich.“, beschwert sich Sebastian Marcovici, der der Überzeugung ist, das Undergroundkonzerte zum kulturellen Leben der Stadt dazugehören sollten. Bei der EP-Vorstellung am 17. Februar war der „Liquid Club“ bis auf den letzten Platz voll mit Domino-Fans, was wieder beweist, dass es eine Nachfrage gibt, bloß das Angebot ist rar. Wann das nächste Domino-Konzert in Hermannstadt stattfinden wird, ist noch nicht klar. Auf der Facebook-Seite der Band werden alle Neuigkeiten gepostet. Bis zum nächsten Konzert darf man sich die Musik im Internet anhören. Haida!

Cynthia PINTER

Medve Sándor, Romulus Cipariu, Valentin Oancea, Claudiu Urse, Sebastian Marcovici (v. l. n. r.) beim Konzert im Rahmen des Prut Fest-Festivals in Chișinău/Republik Moldova, wo die Band die zweitgrößte Fanbase hat.

Domino: Haida. Die EP der Hermannstädter Band kann man nur bei Konzerten erwerben. Konzerttermine auf der Facebook-Seite der Band.

 

 

 

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