Respekt!

Die Chemielehrerin Inge Jekeli ist tot
Ausgabe Nr. 2517
 

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Sie habe vor jeder Unterrichtsstunde Lampenfieber gehabt, erzählte die Mediascher Chemielehrerin Inge Jekeli anlässlich ihrer Verabschiedung in den Ruhestand im Juni 1988, nach 35 Jahre Lehramt, einer Redakteurin des Wochenblatts Die Woche, wie die Hermannstädter Zeitung damals heißen musste.

 

Diese Aussage begleitet die Redakteurin seither auf Schritt und Tritt. Vielleicht auch weil sie selbst im Lehramt tätig gewesen ist, konnte sie diese engagierte Pädagogin – verstehen. Zugeben muss sie, die Redakteurin, heute, dass es ihr damals irgendwie unglaublich vorkam, was sie zu hören bekommen hatte. Schließlich galt die „Blom“, wie ihr Spitznamen lautete, als strenge Lehrerin, ja für einige war sie der „Schülerschreck“ schlechthin, als Schulleiterin soll sie auch ein „Lehrerschreck“ gewesen sein. Vor ihr hätten sich die Schülerinnen und Schüler fürchten müssen… Im Laufe der Zeit erkannte die Redakteurin, dass es sich beim Lampenfieber eigentlich um Respekt handelte, Respekt vor den Lernenden, denen Inge Jekeli ihr ganzes Leben gewidmet hat. Nicht nur den Schülerinnen und Schülern, auch allen Gästen, die ihr gastfreies Haus betreten durften oder ihren Nachbarn und Freunden, Kolleginnen und Kollegen, sei es in der Schule, im Deutschen Forum, in der evangelischen Kirchengemeinde oder in der Welt der Musik.

Unvergessen bleiben für alle Mediascher die zahlreichen von ihr organisierten Konzerte mit „schwerer Musik“, wobei sie die Musikerinnen bzw. Musiker aufs Wärmste betreute.

Inge Jekeli hat nicht nur Chemie unterichtet sondern war auch eine beherzte Lehrerin für Respekt vor den Menschen, vor dem Leben, vor dem, was das Leben lebenswert und bunt macht, der Musik, der Literatur und der Kunst. Deshalb: Respekt, liebe Inge!

Beatrice UNGAR

 

Inge Jekeli (1930-2017)

Foto: HZ-Archiv

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