„Das ist wirklich ein Schmuckstück“

Streiflichter von der Orgeleinweihung in Stolzenburg
Ausgabe Nr. 2494
 

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Am Anfang stand eine Benefizlesung des siebenbürgischen Autors und Pfarrers Walter Seidner am 3. Oktober 2014 in der Neuen reformierten Kirche Witikon/Schweiz für die Restauration der Orgel in Stolzenburg. Der von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich-Witikon organisierte Abend kam durch die Initiative der gebürtigen Stolzenburgerin, Marianne Hallmen, zustande, die kurz davor den Verband der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz gegründet hatte. In einem zweiten Teil unterhielten sich Walter Seidner und Pfarrer Ernst Sieber. Pfarrer Sieber war auch bei der Einweihung der inzwischen restaurierten Orgel dabei und sorgte für etwas Aufsehen mit seinem originelle Grußwort im Rahmen des Gottesdienstes.

Er hatte nämlich, wie er selbst sagte, mit Begeisterung entdeckt, dass der auf der Haupttafel des Altars in der schmucken evangelischen Kirche in Stolzenburg dargestellte Erlöser die Schweizer Fahne trägt (eigentlich die Siegesfahne). Er habe so eine Darstellung noch nie gesehen. Ein Beweis dafür, dass Sieber zum ersten Mal in Siebenbürgen weilte, ist doch in sehr vielen evangelischen Kirchen in Siebenbürgen auf dem Altar diese Darstellung Jesu zu sehen. Eingeladen hatte Sieber die gebürtige Stolzenburgerin Marianne Hallmen, die an dessen Seite für die Ärmsten der Armen in Zürich gearbeitet hat und sich auch heute einsetzt. Hallmen sagte, sie habe von diesem streitbaren Pfarrer und ehemaligen Nationalrat gelernt, was Diakonie bedeutet.

Zurück zu der Orgeleinweihung: Die von Johannes Hahn im Jahr 1773 gebaute Orgel in der evangelischen Kirche in Stolzenburg ist im Rahmen des Projektes Professionelles Training für Orgelbauer und Schreiner, welches vom Schweizerischen Beitrag an die erweiterte Europäische Union co-finanziert wird, hierzulande bekannt als Schweizerisch-Rumänisches Kooperationsprogramm, restauriert   worden. Anfang November 2015 hatten Mitarbeiter der Honigberger Orgelbauwerkstatt die stark in Mitleidenschaft gezogene Orgel ausgebaut und nach Honigberg gebracht. Wie geplant konnte der Rückbau der 1878 dem damaligen Zeitgeschmack angepassten Orgel erfolgen und heute steht in der Stolzenburger Kirche eine wohl klingende Barockorgel. Die Finanzierung der Arbeiten erfolgte zum Großteil aus in der Schweiz eingesammelten Spenden, allen voran setzte sich die Schweizerische Stiftung für Orgeln in Rumänien dafür ein.

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Die Einweihungsfeier fand am 13. und 14. August statt. Am 13. August, stellten am frühen Nachmittag Jürg Leutert, Ferdinand Stemmer, Barbara Dutli und Àrpád Magyar den Gästen die Orgel vor. Es folgte die Besichtigung der Burg auf dem Berg, die der Ortschaft den Namen gab. Hier gab es ein geselliges Beisammensein mit Konzerten von Alphornbläsern aus der Schweiz, dem Trio Saxones und Rodica Schieb.

Am Sonntag, 14. August, fand der Gottesdienst zur Einweihung der Orgel statt, wobei Pfarrer Klaus Martin Untch als Liturg und Moderator diente und Dechant Dietrich Galter die Predigt hielt. Er sagte u. a. „auch eine Orgel ist ein Wunderwerk menschlicher Schöpfung“ und bat Musikwart Jürg Leutert, die unterschiedlichen Register erklingen zu lassen – von der Gambe über die Flöte zurück zum Principal – um den Anweseden bewusst zu machen, wie diese klingen.

Ein Dankeswort sprach Marianne Hallmen, Vorsitzende des Vereins der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz. Sie bezeichnete es als ein Wunder, „dass Gott uns wieder zusammengeführt hat und wies darauf hin, dass die Orgelrestaurierung sehr vielen zu verdanken sei. Nicht zuletzt Pfarrer Walter Seidner, „der lange Jahre hier standgehalten hat und nun den Kontakt zu der Gemeinde wiedergefunden hat“. Hallmen zitierte den Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer, der von der Stolzenburger Orgel schwärmte: „Das ist wirklich ein Schmuckstück“ und begrüßte auch Ernst Leonhardt, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien, der mit seiner Großfamilie bei der Veranstaltung dabei war.

Die Orgelbauerin Barbara Dutli, die nun seit 13 Jahren die Honigberger Orgelbauwerkstatt leitet, sagte, dies sei eines ihrer letzten Projekte und sie freue sich sehr, dass viele junge Menschen bereit wären, die Werkstatt weiterzuführen. Sie stellte ihren Nachfolger Arpad Magyar vor, dem sie nach und nach ihre Aufgaben übergeben wird. 2017 möchte sie sich zurückziehen. Sie dankte Marianne Hallmen, dass sie für die Restaurierung der Stolzenburger Orgel die Honigberger Werkstatt gewählt hat.

Musikalisch umrahmt von dem „Siebenbürger Echo“ traten nach dem gemeinsamen Mittagessen Reussener und Stolzenburger im Burghof auf. Bei diesem Anlass kam auch Hauptanwalt Friedrich Gunesch zu Wort, der seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, dass dies nicht das letzte Treffen in Stolzenburg gewesen sei.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das Konzert mit Musik aus siebenbürgischen Archiven unter der Leitung von Musikwart Jürg Leutert.

Beatrice UNGAR

 

 

Foto 1: In neuem Glanz erstrahlt die seinerzeit von Maria Theresia der Stolzenburger Kirchengemeinde gespendete Barockorgel. Unser Bild: Ein Höhepunkt war das Konzert mit Musik aus siebenbürgischen Archiven am Sonntag unter der Leitung von Musikwart Jürg Leutert (5. v. l.).            

Foto: Răzvan NEGRU

 

Foto 2: Barbara Dutli (links) und ihr Nachfolger Arpad Magyar

Foto: Beatrice UNGAR

 

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