Erfolgreicher Dreiklang

Ausgabe Nr. 2463
 

Neujahrskonzert der Hermannstädter Philharmonie

 

„Kein Problem, das macht Spaß, es wird auf jeden Fall ein Erfolg", sagte Dirigent Theo Wolters der Hermannstädter Zeitung auf die Frage, wie das Orchester der Hermannstädter Staatsphilharmonie den Neujahrskonzert-Dreiklang  – drei Abende nacheinander, Freitag, Samstag und Sonntag – bewältigen werde. Einige ebenfalls von der HZ befragte Orchestermitglieder gaben auf die gleiche Frage zurück: „Der Dirigent hat gut reden, schließlich muss er nur die Hände bewegen…"

   Wie dem auch sei, die Meinungen und die Berichte aus dem Publikum fielen ebenso unterschiedlich aus wie die eingangs angeführten Aussagen der Beteiligten, allerdings alle positiv. Dementsprechend war stets jener Abend der Beste, an dem die oder der jeweils Befragte im Thaliasaal gesessen hatte.  Auf jeden Fall war es für die Hermannstädter Staatsphiharmonie und deren Hauptpartner, den Rotary Club Hermannstadt, eine Premiere: Nachdem die Eintrittskarten für die angekündigten beiden Abende am Freitag, den 8. und am Samstag, den 9. Januar, im Handumdrehen verkauft waren, wurde das Neujahrkonzert der Hermannstädter Staatsphilharmonie auch am Sonntag, dem 10. Januar, wiederholt. Auch dieser Abend war schließlich ausverkauft… Und an jedem Abend gab es in der Pause ein Glas Sekt für alle, Blumen für die Musiker zum Abschluss und geschmackvolle Blumenarrangements für die Bühne im Thaliasaal.

Das Programm war wie immer gespickt mit regelrechten Gassenhauern der Klassik, wie z. B. der Ouvertüre der komischen Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai, Silvias Arie „Heia, in den Bergen" aus Erich Kálmáns gleichnamiger Operette oder Viljas Lied aus Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe".

Als Zugabe sang die aus Zeiden stammende Solistin der Bukarester Nationaloper, die Sopranistin Silvia Micu, die bekannte Arie „Meine Lippen, sie küssen so heiß" der Hauptheldin aus Franz Lehárs letzten Operette Giuditta, die Lehár selbst eine „Musikalische Komödie“ nannte.

Erstmals erklang im Rahmen des Neujahrskonzerts die „Suite für Varieté-Orchester" von Dmitri Schostakowitsch. Die Suite besteht aus acht Sätzen, die anderen Kompositionen Schostakowitschs entnommen sind. Sie entstand vermutlich in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre. Auch auf dem Programm stand die falsche Bezeichnung der Suite, und zwar „Jazz-Suite Nr. 2".  Laut Wikipedia wurde das Werk über viele Jahre fälschlich als die 1938 entstandene und im Zweiten Weltkrieg verloren geglaubte „Suite für Jazzorchester Nr. 2" – diese Suite entstand 1938 für das neugegründete staatliche sowjetische Jazzorchester unter Wiktor Knuschewitzki und wurde am 28. November 1938 in Moskau uraufgeführt – angesehen. Von dieser wurde jedoch 1999 ein Klavierauszug wiederentdeckt, so dass die Jazz-Suite im Jahr 2000 in rekonstruierter Form aufgeführt werden konnte. Da die meisten Einspielungen der Suite vor dieser Entdeckung entstanden, wird das Werk auf vielen CDs mit dem falschen Titel „Jazz-Suite Nr. 2" bezeichnet.

Das Werk wurde am 1. Dezember 1988 vom London Symphony Orchestra unter der Leitung von Mstislaw Rostropowitsch in London uraufgeführt.

Besondere Popularität erreichte der Walzer Nr. 2 (7. Satz)durch den Soundtrack zu dem Film „Eyes Wide Shut" (Die Augen weit geschlossen, 1999) von Stanley Kubrick. Auch im Abspann dieses Films wird das Werk noch falsch als 7. Satz der „Jazz-Suite 2" angegeben. Lars von Trier machte in seinem Film „Nymphomaniac" (2014) ebenfalls von diesem Walzer Gebrauch.

Die Anordnung der Sätze variiert in den verschiedenen Einspielungen. Die Aufführung in Hermannstadt richtete sich nach der Ausgabe DSCH New Collected Works: 1. Marsch (Giocoso. Alla marcia), 2. Tanz Nr. 1 (Presto), 3. Tanz Nr. 2 (Allegretto scherzando), 4. Kleine Polka (Allegretto), 5. Lyrischer Walzer (Allegretto), 6. Walzer Nr. 1 (Sostenuto), 7. Walzer Nr. 2 (Allegretto poco moderato), 8. Finale (Allegro moderato). Nach jedem Satz zollte ein Großteil der Zuhörer dem Orchester und seinem Dirigenten Theo Wolters Beifall. Jeder Satz kann ja und wird ja auch als selbstständiges Werk aufgeführt und insofern war das nicht so schlimm.

Zuletzt ertönte der „Banditen-Galopp" von Johann Strauss Sohn, bei dem die Sopranistin schnwungvoll und locker mal die Tschinellen, mal das Triangel bediente. Abgeschlossen wurde das Stück mit einem Konfettiregen aus zwei entsprechende „Kanonen", die von zwei Mitarbeitern der Philharmonie aus zwei gegenüberliegenden Logen im zweiten Stock auf die Bühne „abgefeuert" wurden.

Die Krönung des Konzertes war die Aufführung des „Radetzky-Marsches" von Johann Strauss Vater, wobei der Dirigent mal das Orchester mal das Publikum dirigierte.              

Beatrice Ungar

 

Foto 1: Dirigent Theo Wolters (Niederlande) und das Orchester bedanken sich für den Beifall.                  

 

Foto 2: Die aus Zeiden stammende Sopranistin Silvia Micu begeisterte das Publikum.          

Fotos: Fred NUSS

 

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