Moderne Öffentlichkeitsarbeit

Ausgabe Nr. 2453
 

Neue ifa-Kulturmanagerin Pia Ionescu-Liehn im Interview

 

 Seit dem 9. September ist Pia Ionescu-Liehn Kulturmanagerin des Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) in Hermannstadt. Aus diesem Grund hat der HZ-Praktikant Jonas B o r n e m a n n sie zu ihrer Person, ihren Aufgabenbereichen und Plänen befragt:

 Du bist nun seit einem Monat durch das ifa nach Hermannstadt entsandt. In welcher Organisation arbeitest Du konkret?

Mein Einsatzort ist das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt, an dem ich als Kulturmanagerin tätig bin. Vor diesem Hintergrund geht es inhaltlich um die Stärkung der Organisation, das heißt, die Sichtbarkeit des Forums zu erhöhen und seine Strukturen zu unterstützen. Konkret leiste ich einen Beitrag, Projekte durchzuführen, neue Mitglieder zu gewinnen und auf diese Weise eine Sicherung des Nachwuchses voranzutreiben. Ganz generell ist es die Aufgabe eines Kulturmanagers, die hiesige deutsche Minderheit zu stärken. Auf welche Weise das getan wird, bleibt – natürlich in Absprache mit der jeweiligen Institution – von dem Profil und den Stärken des Kulturmanagers abhängig. Das können zum einen Erfahrungen aus der Berufspraxis sein, zum anderen Studienschwerpunkte, die Expertise oder Hobbies einer Person.

Wie sieht es da bei Dir aus? Welche Schwerpunkte setzt Du für Deine Arbeit?

Ich habe Filmwissenschaften in Mainz und Wien studiert und bringe diese Erfahrung demnach auch gerne in meine Tätigkeit als Kulturmanagerin ein: Das Medium Film hat als modernes Medium einige Vorzüge: Zum einen ist es zeitgenössisch und gefragt, zum anderen bietet es die Möglichkeit, ohne eklatantes Vorwissen selbst kreativ zu werden. Im Besonderen dienen Filme der Dokumentation von Projekten, sie sind über das Internet leicht zugänglich und steigern die Sichtbarkeit unserer Projekte in der Stadt. Ich denke, diese Aspekte entsprechen den Ansätzen des ifa und – grundsätzlich – auch der heutigen Zeit.

Wie sehen konkrete Ideen zur Umsetzung solcher Projekte aus?

Wir werden im November ein Schülerprojekt durchführen – ein Besuch aller deutschen Institutionen der Stadt. Auch hier steht die Idee im Raum, die einzelnen Punkte per Video festzuhalten und auf diese Weise zu dokumentieren. Das ist – wenn man so will – moderne Öffentlichkeitsarbeit. Ein gutes Projekt muss in diesem Sinn auch entsprechend herausgestellt und präsentiert werden, um künftige Vorhaben an eine Zielgruppe zu richten, die noch nicht mit unseren Aktivitäten vertraut ist. Aus diesem Grund ist eines meiner Ziele, einen ansprechenden und funktionstüchtigen Youtube-Kanal aufzubauen. Dieser soll sich aus den Beiträgen unserer Arbeit speisen.

Von meiner Vorgängerin Tabea Freutel habe ich des Weiteren das Format des Forumsclubs übernommen. Der Club dient dem direkten und regelmäßigen Austausch seiner Mitglieder untereinander und bietet Raum für Diskussionen. In den vorangegangenen Wochen haben wir viel über unsere Pläne für die kommende Zeit gesprochen. Für mich ist es sehr interessant zu sehen, wer zu unseren Treffen immer mittwochs um 16.30 Uhr ins Forum kommt und welche Ideen entwickelt werden. Der Impuls eines Projekts entstammt immer der Gruppe selbst, fordert das ehrenamtliche Engagement und richtet sich explizit nach den Wünschen der Mitglieder. So können Dinge angestoßen werden, die sich selber tragen, die nachhaltig sind. Wir haben beispielsweise in der Vergangenheit einen Kurs zur sächsischen Mundart durchgeführt, der im Rahmen des Engagements eines Clubmitglieds zustande kommen konnte. Das ist interessant und kommt der Institution als Ganzes zu Gute.

Welche Zielgruppe sprechen diese Projekte in Hermannstadt vornehmlich an?

Das Stichwort innerhalb meiner Arbeit ist natürlich die deutsche Minderheit. Nichtsdestotrotz ist mir auch bewusst, dass es zunehmend weniger Personen gibt, die wir in diesem Rahmen adressieren können. Auch ich entstamme zum Teil dieser Minderheit, stelle aber auch fest, dass sich viele Personen nicht mehr über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Minderheit identifizieren. Ich sehe meine Arbeit vielmehr als Stärkung der Institution des demokratischen Forums der Deutschen. Das Forum als Akteur in der Kulturszene, das Forum als Institution der politischen Bildung. Meine Vision ist es, einen Ort zu schaffen, an dem moderne, fortschrittliche Ansätze und deren Umsetzung für alle diejenigen ermöglicht werden, die daran Interesse haben und solche Standpunkte teilen.

Eine letzte Frage: Warum hast Du Dich für das ifa entschieden, wieso für Hermannstadt?

Ich bin in Hermannstadt aufgewachsen und mit der Stadt, der Minderheit, vertraut. Aus diesem Grund war mir das ifa auch ein Begriff, als ich 2012 in der Regionalkoordination – die zu dieser Zeit in Hermannstadt war – ein Praktikum absolvierte. Ich bin nach dem Abitur zum Studium erst nach Mainz und dann nach Wien gegangen, bis vor kurzem habe ich in Berlin gelebt und gearbeitet. In dieser Zeit kam ich regelmäßig nach Hermannstadt, um meine Familie, die hier lebt, zu besuchen. Ich verfolge die Entwicklungen und das stetig wachsende Potential in Hermannstadt. Als ich im April einen längeren Besuch machte und die Anzeige für die ifa-Kulturmanagerstelle am Deutschen Forum sah, dachte ich, das ist meine Chance, mich innerhalb der positiven Entwicklung der Stadt einzubringen.

Vielen Dank für das Gespräch und natürlich gutes Gelingen für Deine Pläne hier in Hermannstadt!

 

 

Pia Ionescu-Liehn.

 

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