Kanonendonner und Schwertergeklirr

Ausgabe Nr. 2347
 >

20.000 Zuschauer beim 13. Mittelalterfestival auf dem Großen Ring

 

Nicht umsonst lautete “Aberglauben” das Motto des diesjährigen Mittelalterfestivals “Cetăți Transilvanene“ (Siebenbürgische Burgen). In diesem Jahr hat nämlich die 13. Auflage stattgefunden. Am Wochenende wimmelte es  in Hermannstadt von Rittern, Hexen, beweglichen Statuen und vielen anderen komischen Wesen. Und wenn jemand gegen Mitternacht in Hermannstadt den Eindruck gehabt hat, einen Kanonenschuss gehört zu haben, so hat er sich nicht geirrt.

 Weiterlesen

Ein vielseitig begabter Außenseiter

Ausgabe Nr. 2347
 >

Das Harbachtalmuseum in Agnetheln zeigt Bilder des Künstlers Michael Barner

 

„Ich war von vornherein als Outsider gebrandmarkt und verfügte de fakto nicht über die geringsten diplomatischen Fähigkeiten" ist in den Memoiren des Agnethler Künstlers Michael Barner (1881-1961) zu lesen, die nur in handgeschriebener Form vorliegen. Barner kann wohl als ein vielseitig begabter Außenseiter betrachtet werden: Er war Zeichner und Maler, schrieb aber auch Gedichte in der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, in deutscher, ungarischer und rumänischer Sprache, vertonte ca. 200 deutsche, siebenbürgisch-sächsische, ungarische und rumänische Texte und auch Zigeunerlieder", die Heinrich von Wislocki gesammelt und ins Deutsche übersetzt hatte, nahm überallhin seine Geige mit und verbrachte ca. ein Jahr in einer Roma-Siedlung bei Agnetheln. Hier im Harbachtalmuseum sind jetzt Zeichnungen und Gemälde des Künstlers aus den Beständen des Harbachtalmuseums und aus Privatbesitz zu sehen.

Weiterlesen

Die magische Zahl 400

Ausgabe Nr. 2347
 >

Hermannstädter Kegelveteranen erfolgreich

 

Bei der 18. Landesmeisterschaft der Veteranen, die am vergangenen Wochenende in Jassy stattgefunden hat, belegten die Hermannstädter Kegelsportler den ersten Platz in der Medaillenwertung mit zwei Goldmedaillen, einer Silbermedaille, zwei Bronzemedaillen bzw. einem vierten und einem fünften Platz. Schiedsrichter des Wettkampfs, an dem 18 Mannschaften antraten, waren Liviu Mailat (Hermannstadt) und Radu Raita (Hunedoara).

Weiterlesen

Nachrichten

2347

 

Fromme und tüchtige Leute…"

47. Töpfermarkt

Wohltätigkeitsbasar

Vernissage in Großpold

Vortrag im Teutsch-Haus

Sommernachtsparty

11. Proetnica Festival 

Bachchor probt wieder

Kirchenburgen-Botschafter

Internet-ABC für die Schule

Zum Frühneuhochdeutschen

Rumänisches Fernsehen in deutscher Sprache

Radio Neumarkt auf Deutsch

Fromme und tüchtige Leute…"

Hermannstadt. – Die Herbsttagung des Evangelischen Freundeskreises Siebenbürgen e.V. (EFS) findet unter dem Titel „200 Jahre Ansiedlung der Deutschen aus Bessarabien“ von heute bis Sonntag im „Hans Bernd von Haeften“-Tagungs- und Begegnungszentrum der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (Liveziistraße Nr. 55) in Hermannstadt statt. Im Rahmen der Tagung wird am Samstag, den 31. August, 16 Uhr, im Spiegelsaal des Deutschen Forums (Str. G-ral Magheru 1-3) die Ausstellung „Fromme und tüchtige Leute … – die deutschen Siedlungen in Bessarabien 1814-1940" eröffnet. und das Buch „Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen Meer" von Dr. Ute Schmidt vorgestellt.  (BU)

 

47. Töpfermarkt

Hermannstadt. – Der 47. Hermannstädter Töpfermarkt findet am 7. und 8. September, jeweils zwischen 9 und 20 Uhr, auf dem Großen Ring statt. 220 Töpfer aus Rumänien nehmen daran teil. Auch in diesem Jahr gibt es eine Kreativwerkstatt.

Im Vorfeld des Töpfermarktes wird Horst Klusch als Initiator, der 25 Auflagen organisiert hat, zum Ehrenbürger von Hermannstadt gekürt. Die Zeremonie findet am Donnerstag, den 5. September, 13 Uhr, im Rathaus von Hermannstadt statt.

 

Wohltätigkeitsbasar

Hermannstadt – Der Hermannstädter Tierschutzverein „Animal Life” organisiert am Kleinen Ring, am Samstag, dem 31. August, ab 12 Uhr einen Wohltätigkeitsbasar. Hier können auch Hunde und Kätzchen adoptiert werden, Spenden werden auch gerne entgegengenommen. Das gesammelte Geld wird für die Impfung der herrenlosen Hunden aus Hermannstadt  dringend gebraucht. (RS)

 

 

Vernissage in Großpold

Großpold/Apoldu de Sus. – Skulpturen von Călin Baciu und Gemälde von Florin Fota sind vom 1. bis 15. September in der Galerie Atelier 202 in Großpold zu sehen. Die Vernissage findet am Sonntag, 17 Uhr, statt. Ebenda findet eine Lesung mit George V. Precup und Beatrice Ungar statt. Die Öffnungszeiten der Galerie:  Donnerstag-Samstag 15-19 Uhr  oder nach Absprache unter 0722-78.70.59.      

 

 

Vortrag im Teutsch-Haus

Hermannstadt. – „Wie konnten sich siebenbürgisch-sächsische Frauen als Berufskünstlerinnen betätigen?" Diese und andere Fragen rund um das künstlerische Schaffen begabter Frauen erörtert Kunsthistorikerin Dr. Gudrun-Liane Ittu (Hermannstadt) in einem Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Siebenbürgische Künstlerinnen sichtbar machen". Der Vortrag in deutscher Sprache findet im Terrassensaal des Teutsch-Haus (Fleischergasse/Mitropoliei 30) am Montag, den 2. September 2013 um 17 Uhr statt. Die Sonderausstellung im Teutsch-Haus ist bis zum 9. Oktober, Montag-Samstag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. (BU)

 

Sommernachtsparty

Hermannstadt. – Zum Ferienende sind alle, die gern tanzen und einen fröhlichen Abend verbringen wollen, am 7. September, ab 20 Uhr, in den Hof des Friedrich Teutsch-Begegnungs- und Kulturzentrums (Fleischergasse/Mitropoliei 30) zur traditionellen Sommernachtsparty eingeladen. DJ Dietrich und DJ Michael werden wie gewohnt die Musik mischen und auf Musikwünsche von Jung und Alt eingehen. Essen und Getränke bietet Gasthaus Akropolis an. Auf der Unterhaltung wird auch ein Hermannstädter Luftgitarrenkönig gekürt werden. (BU)

 

11. Proetnica Festival 

Schäßburg. – Das Proetnica-Festival,   welches den Minderheiten gewidmet ist, hat gestern in in Schäßburg begonnen. Auf der Hauptbühne  auf dem Marktplatz werden bis einschließlich Sonntag, den 1. September, Vertreter der Minderheiten Tänze und Lieder aufführen. In der Burg finden auch weitere Veranstaltungen statt, wie Buchvorstellungen, Ausstellungen und Darbietungen. Mehrere Minderheiten haben angekündigt, einen Bücherstand aufstellen zu wollen.(RS)

 

Bachchor probt wieder

Hermannstadt. – Der Hermannstädter Bachchor nimmt seine Proben wieder auf. Probenbeginn ist am Mi=ttwoch, dem 4. September um 18 Uhr in der oberen Sakristei der Evangelischen Stadtpfarrkirche. Das nächste große Projekt des Chores ist Haydns Oratorium „Die Schöpfung", das in Zusammenarbeit mit der Göttinger Stadtkantorei am 6. Oktober  in Hermannstadt und am 7. Oktober in Mediasch erklingen wird. (BU)

 

1. Buchfestival in Reichesdorf

Reichesdorf/Richiş. – Das erste Siebenbürgische Buchfestival findet in Reichesdorf vom 6. bis 8. September statt. Die Initiatorin Lucy Abel-Smith aus Großbritannien hat dazu Autorinnen und Autoren eingeladen, die über Siebenbürgen und Rumänien geschrieben haben.

Zu den Gästen gehören Artemis Cooper, Jaap Scholten, Beatrice Rezzori Monti della Corte, die Witwe von  Gregor von Rezzori, Michael Jacobs, Stephen Watts, Claudiu Komartin, Roy Foster, Jessica Douglas-Home, Caroline Fernolend, Sara Dootz.

Mehr zum Programm finden Sie unter www.transylvanianbookfesti val.co.uk

 

Kirchenburgen-Botschafter

Honigberg/Hârman. – Heute wird der bekannte Sportkommentator Cristian Topescu in der Honigberger Kirchenburg von Bischof Reinhart Guib zum ersten „Botschafter der siebenbürgischen Kirchenburgen" gekürt. Die Zeremonie findet im Rahmen des Orgelkonzertes mit Wolfgang Karius (Aachen), das letzte dieses Jahres in der Musikreihe „Musica barcensis" statt, das um 18 Uhr beginnt. Von dem Kirchenburgen-Botschafter wird erwartet, dass er für diese Baudenkmäler wirbt, die auch zum Kulturerbe Rumäniens gehören. (BU)

 

Internet-ABC für die Schule

Hermannstadt. – Vom 3.-5. September findet in Hermannstadt ein Workshop für GrundschullehrerInnen und Lehramtsstudierende statt. Der Medienpädagoge Gert Egle aus Konstanz am Bodensee stellt im Auftrag der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg den Teilnehmer/-innen die Plattform Internet-ABC mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor.

Die Veranstaltung wird mit Unterstützung der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg durchgeführt und vom Zentrum für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache organisiert. (Beginn Dienstag um 16 Uhr, bis etwa 19 Uhr, Mittwoch 9-18 Uhr; Donnerstag 9-13 Uhr). Eine Anmeldung ist unter www.zfl.ro erforderlich. (AH)

 

Zum Frühneuhochdeutschen

Hermannstadt. – Ein Internationales Kolloquium zum Thema „Wirksame Rede im Frühneuhochdeutschen: Syntaktische und textstilistische Aspekte" findet vom 5. bis 7. September an der Lucian Blaga-Universität Hermannstadt statt. Die Tagung beginnt am 5. September, 9 Uhr im Senatssaal der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt/Sibiu (B-dul Victoriei 10) und wird gemeinschaftlich vom Institut für Anglo-Amerikanische Studien und Germanistik der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt, vertreten durch Dr. Dana Dogaru, und dem Institut für Germanistik der Universität Paderborn, vertreten durch Prof. Dr. Britt-Marie Schuster, veranstaltet. Erwartet werden Referenten und Referentinnen von Universitäten aus Berlin, Warschau, Montpellier, Marburg, Sankt Petersburg, Caen, Paderborn, Münster,  Salzburg, Bonn, Amiens, Wien und Hermannstadt. (BU)

 

Rumänisches Fernsehen in deutscher Sprache

TVR 1, Montag, 2. September, 13.00-14.00 Uhr: Deutsch… um 1: Der Regisseur Călin Peter Netzer zu Gast; Wandergesellen in Hermannstadt.

TVR 2, Dienstag, 3. September, 14.30-15.00 Uhr: Orgeleinweihung in Deutsch-Kreuz.

TVR1, Donnerstag, 5. September, 15.30 – 17.00 Uhr: Nachrichten; Kulturwoche im Haferland; Burgfest in Alzen; Bücher und Bilder; Neues Kirchenburgenprojekt.

 

Radio Neumarkt auf Deutsch

Sendezeiten: Mo.-Sa. 21 bis 22 Uhr, So. 10.30 bis 11 Uhr auf den Frequenzen der Mittelwelle 1593, 1323, 1197 kHz und im Livestream unter www.radio mures.ro/de/: Freitag: 450. Jubiläum in Bistritz – Interview mit Pfr. Dieter Krauss; Samstag:  Musikabend bei Radio Neumarkt; Sonntag: Andacht und die Kindersendung; Montag: Ausklang des ProEtnica-Festivals in Schässburg – Interview mit Volker Reiter, Organisator; Dienstag: Verein „Reener Ländchen” – Interview mit Klaus Birtler, Architekt; Mittwoch: Herbsttagung in der Evanghelischen Akademie Siebenbürgen zum Thema „200 Jahre Ansiedlung der Deutschen aus Bessarabien“ – Interview mit Roger Pârvu, Programmleiter; Donnerstag: Restaurierungsarbeiten an alten historischen Gebäuden – Interview mit Molnar Denes, Restaurator und Geschäftsmann.

 

Gute Laune in Klangform

Ausgabe Nr. 2347
 >

Erste Auflage des Focus-Musikfestivals

 

Nicht nur das Mittelalter, sondern auch die alternative Rockmusik war am Wochenende in Hermannstadt vertreten, denn es fand die erste Auflage des Focus-Musikfestivals statt, nach der gleichnamigen Fotoausstellung, die seit fünf Jahren organisiert wird.

 Weiterlesen

Nicht nur für Kinder

Ausgabe Nr. 2347
 >

 

Die fabelartige Liebesgeschichte von Dina und Lupus

 

In diesem Jahr brachte der Schiller Verlag Hermannstadt – Bonn das Buch „Wolfsberge. Eine Geschichte aus den Karpaten“ heraus. Die aus Hermannstadt stammende Autorin Barbara Poetzsch geb. Niedermaier, die in Berlin lebt, stellte ihr Werk am vergangenen Freitag, im Erasmus-Büchercafé vor. Sie betonte hierbei, dass „Wolfsberge“ nur „vordergründig ein Buch für Kinder sei“, denn sie schrieb es ebenso für Erwachsene. Der Grund dafür liegt im fabelartigen Charakter der Geschichte.

 Weiterlesen

Rauschende Electro-Swing Partys!

 Alice Francis aus Temeswar hat die 20er Jahre wieder entdeckt

 

Als ich vor einigen Monaten eine Freundin besucht habe, lief im Hintergrund Musik, die ich nicht kannte. Diese prägnante Stimme hatte ich bisher weder im Radio, noch in Kneipen oder Diskotheken gehört. Das überraschte mich, denn die elektronischen Beats gingen sofort ins Bein. Was war denn das für eine Mischung aus Pop, Swing und Hip Hop? „Das ist Electro-Swing“, sagte meine Freundin. Den Namen der Sängerin kannte sie selbst noch nicht. „Kennste nicht – oder? Ist ja auch fast noch ein Geheimtipp!“

Ich war begeistert. Eine lässig-freche, manchmal auch raue Stimme. Mal kam sie heftig und laut, mal nur gehaucht daher. Sie passte bestens zu der mitreißenden Swingmusik! Der Name der Musikerin war daheim schnell gegoogelt: Alice Francis!

   

Die Veröffentlichung ihrer ersten CD war eine kleine Sensation. „St. James Ballroom“, so der Titel, wurde zum besten Newcomer-Album des Jahres gekürt. Der Titelsong eroberte sogar Platz 1 in den Myvideo-Musikclip-Charts. Seitdem tourt sie durch ganz Europa und Nordamerika. Heute ist sie längst mehr als ein Geheimtipp. Sie hat sich vielmehr zur Ikone einer ganzen Musikrichtung, des heute weltweit angesagten Electro-Swing, gemausert!

Dabei sieht sie ganz so aus, wie die Reinkarnation der großen Josephine Baker. Sie singt und tanzt kraftvoll und schrill, ähnlich wie ihr Vorbild aus Paris. Allerdings, Alice Francis ist moderner, elektronischer, noch schräger und musikalisch voll auf der Höhe unserer Zeit!

Alice Francis, die in Köln lebt, ist Tochter eines tansanischen Vaters und einer rumänischen Mutter aus Temeswar. Sie ist, trotz ihres jungen Alters, eine begeisterte Anhängerin der 20er Jahre und damit eines verspielt-trotzigen Lebensgefühls, das wegen der heraufziehenden weltweiten Krisen auch als „Tanz auf dem Vulkan“ bezeichnet wird.

Dieses Lebensgefühl spürt man auch, wenn Alice Francis mit ihrer Band auf der Bühne steht. Zusammengesteckte Haare und Topfhüte, Liedschatten und Lippenstift, enganliegende und kniefreie Cocktail-Kleider sowie Nylonstrümpfe bestimmen ihr Erscheinungsbild. Dazu gibt es Unmengen von Franzen, Perlenketten und Federn! Der Auftritt und das Outfit der cool tanzenden Sängerin passt bestens in die Vorstellung der „Roaring Twenties“!

Die beiden Musiker, die hinter ihr stehen, bedienen Kontrabass und Grammophon. Sie erscheinen mit Zylinder und Baskenmütze, mit Weste, Frack, Schlips und Fliege, ebenfalls im 20er Jahre-Retro-Look. Und doch sind sie viel mehr, als nur ein Rückgriff auf Altbewährtes einer weit zurück liegenden Zeit! Sie bieten eine musikalische und technische Extraklasse!

Denn wenn der aus Korea stammende Musiker Sir Chulmin-Yoo und der Produzent und Musiker Goldielocks auf der Bühne erst einmal richtig loslegen, dann simulieren sie mit Harmonizer und Launchpad ausgerüstet, den Sound von Backgroundchören oder einer ganzen Bigband. Zusammen mit den singenden und tanzenden Flappergirls und der extravaganten Stimme ihrer coolen Frontfrau entfachen diese Gentlemen einen furiosen Musik-Vulkan.

Dabei überraschen die stampfenden Beats, die raffiniert-elektronischen Plug-ins und Jingles den Zuhörer ständig aufs Neue. In Kombination mit der einzigartigen Stimme von Alice Francis, die je nach Bedarf swingt, rappt, flüstert oder röhrt, schafft es der unvergleichliche Electro-Sound, dass sofort Partystimmung entsteht und kein Tanzbein still bleiben kann.

In ihren Texten, die Alice Francis übrigens alle selbst geschrieben hat, ist sie humorvoll und emanzipiert. Auch damit steht sie ganz in der Tradition der 20er Jahre. Da wird in „Shoot him down“, der ersten Single der CD, dem untreuen Liebhaber unmissverständlich mitgeteilt, dass er sich längst nicht alles erlauben kann. In „Kiss my ass“ wird dagegen einem zu aufdringlichen Verehrer auf augenzwinkernde Weise nahegebracht, dass er nicht die erste Wahl der Interpretin ist. Der auf der CD abschließende Song „Sandmann“ ist eine gehauchte Hommage an einen Sand bringenden Traummann. Er ist es, der die Sängerin jede Nacht zum Fliegen bringt, weil es in der Realität nun mal keine echten Traummänner gibt.

Diese Texte unterstreichen, dass Frauen sich in den wilden 1920er Jahren selbst entdeckt haben. Sie wurden selbstbewusster und nahmen ihr Leben fest in die Hand. Sie kämpften gegen die Jahrhunderte währende Unterdrückung durch die Männerwelt! Alice Francis knüpft an diese Zeit nach dem ersten Weltkrieg an. Damals hatten Frauen sich endlich das Wahlrecht erkämpft und traten für ihre gesellschaftliche und politische Gleichstellung ein.

Alice Francis, die sich auch Miss Flapperty, eine Verbindung aus Flapper und Liberty, nennt, bezieht sich auf diese Kämpferinnen. Flapper wurden in den 20er Jahren selbstbewusste Frauen genannt, die abends ganz emanzipiert, trotz Prohibition und gegen den Willen ihrer Männer, Kneipen und Spielsalons besuchten. Frauen, die rauchend, mit Zigarettenspitze, Federboa und Stirnband ausgerüstet Partys veranstalteten, Absinth tranken und Charleston tanzten. Sie bedient dieses elegante, lebensfreudige, manchmal aber auch verführerische und laszive Frauenbild mit ihrer Musik, den Texten und einer mitreißenden Show perfekt.

Mittlerweile gibt es nahezu in jeder größeren Stadt einen Electro-Swing Club, Boheme Sauvage Veranstaltungen, Cocktail Soirées oder Neo-Charleston-Partys. Die Veranstalter werben damit, dass es dort knistert und glitzert, jazzt, tanzt und bebt! Sie schreiben Kleiderordnungen und Dress Codes nach Vorbild der 20er Jahre vor. Selbst die gängigen Modehäuser haben sich im Laufe des Jahres auf diese neue Nachfrage eigestellt und liefern die notwendige Couture dafür. Alice Francis hat heute, als Mitinitiatorin und Teil dieser begeisternden Welle, auch Fans in Asien und Südamerika. Ihre Lieder wurden vom Neo-Swing-Papst Parov Stelar gecovert, sie wird bei MTV gespielt und tritt in klassischen deutschen TV Formaten auf. Es ist dieser großartigen Musikerin mit ihren Gentlemen und Flappergirls zu wünschen, dass sie in Zukunft noch auf unzähligen Partys mit ihrem Electro Swing den Ton angibt und die Tanzbeine schwingen lässt!

All denjenigen, die nicht die Möglichkeit haben, in nächster Zeit ein Konzert von Alice Francis zu besuchen (2013: Am 5. September in Bad Homburg, am 6. September in Freiburg im Breisgau, am 20. September in Baden/Schweiz, am 8. November in Wien, am 28. Dezember in Bochum) sei die außergewöhnliche CD „St. James Ballroom“ wärmstens ans Herz gelegt. Viel Spaß!

Das Album St. James Ballroom, ist bei Universal Music Classics & Jazz erschienen (2012). Es enthält 17 Songs. Produzenten, Komponisten, Autoren und Produzenten sind Goldielocks, Alice Francis u.a.

Aus dem Album kann man kaum einen Song hervorheben, da sie alle ganz verschieden sind und mit großer technischen und musikalischen Perfektion eingespielt wurden. Trotzdem empfehlen wir vier Anspieltipps: „St. James Ballroom", „Shoot him down", „Kiss my ass", „Sandmann".

Holger VIERECK

 

Bildtext:

Alice Francis alias Miss Flapperty

  

Vorzeigeprojekt für die EU

DE;“ lang=“DE“ style=“line-height: 120%; font-family: Arial; font-size: 14pt;“>stellt

 

DE;“ lang=“DE“ style=“font-family: Arial;“>Vergangene Woche wurde ein viertägiges Burg- oder Dorffest in Probstdorf gefeiert. Am Sonntag, dem letzten Festtag, wurde nach dem Gottesdienst die Erfolgsgeschichte des Armutsbekämpfungsprojektes Probstdorf” vorgestellt, das sich als Ziel gesetzt hat, ein gesamtes Dorf aus der Armutsspirale zu holen. Initiatorin des Projektes ist Barbara Wiebke Schöfnagel, Attachée für soziale Angelegenheiten der Österreichischen Botschaft Bukarest.

Der zweite Aspekt, den Schöfnagel in ihrer Ansprache hervorhob ist, dass ein allumfassendes Projekt gemacht wurde. Begonnen wurde nämlich bei der Schulförderung. Es wurde Nachmittagsschule und Sommerschule eingeführt. Für die Frauen wurden ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen. Vor allem im Tourismus, in der Gärtnerei und bei der Obstverarbeitung haben sie eine Anstellung und Verdienstmöglichkeit gefunden. Den Männern wurden viele Bereiche der Arbeit eröffnet. Als Maurer, Zimmerleute, Elektriker, Installateur und Fassadenrestaurator haben diese Dorfbewohner unter fachmännischer Anleitung viel Erfahrung sammeln können. Eine Einkommensquelle für das ganze Dorf wurde vor allem durch die Obstbearbeitung geschaffen. „Es kann sich jeder im Dorf, der arbeiten möchte, irgendwo wiederfinden und hat eine Chance”, sagte Schöfnagel, „und wenn er mit neuen Ideen kommt und sagt ‘Ich kann das’, dann schauen wir, dass wir ihm helfen, das umzusetzen”. Ein Beispiel hierfür sei der Hufschmied.

Bildtexte:

 

Erfolgreiches Armutsbekämpfungsprojekt: Letzte Woche gab es in Probstdorf im Oberen Harbachtal ein Burg- und Dorffest. Lesen Sie dazu unseren Bericht auf Seite 3. Unser Bild: Bei der Pressekonferenz in der Kirche am Sonntag Mircea  Brânda, Martin Bottesch, Andreas Huber,  Thomas Gerlach, Astrid Fodor, Markus Mandl, Bärbel Schöfnagel und Wolfgang Hosiner.                                                          Foto: Werner FINK

 

Der Schauspieler Adrian Prohaska (außen links) vom Gong-Theater machte beim Kindertag als Animateur mit.             Foto: Wolfgang HOSINER

Post navigation