„Es ist eine Familienerinnerung“

Ausgabe Nr. 2326
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Zum 100. Geburtstag von Joseph Fuchs veröffentlichten seine Söhne ein Lesebuch

 

„Raureif blüht im Stacheldraht” ist das „Lesebuch” des bereits 1968 verstorbenen Joseph Fuchs, das vom ehemaligen HZ-Redakteur Wolfgang Fuchs und dessen Bruder,  Wolfram Fuchs, herausgebracht wurde. Im Spiegelsaal des Forums fand zur Vorstellung des Buches am Dienstag der Vorwoche auch eine kleine Feier mit Musik und Imbiss statt.

 

 

 

 

 „Seit vier Jahren arbeite ich an diesem Buch", erklärte Wolfgang Fuchs für die Hermannstädter Zeitung. „Damals hatte ich den ersten Rundbrief diesbezüglich an die Familie geschickt, „und vor einem Jahr, als mein Bruder von meinem Vorhaben auch überzeugt war, ist er eingestiegen und hat mir aus seinen Schubladen Manuskripte und alte Dokumente – getippte Artikel, auch Zeitungsausschnitte – unseres Vaters geschickt, so dass das Buch rechtzeitig zur Feier seines 100. Geburtstags erscheinen konnte”. Tatkräftig unterstützt habe ihn dabei Adrian Stănescu, der das vom Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt herausgebrachte Buch in seinem Verlag Edition Print Atu drucktechnisch betreute.

Bei der kleinen Feier im Spiegelsaal, die von Wolfgang Fuchs moderiert wurde, sprach Joachim Wittstock, der auch das Geleitwort verfasst hatte, zum Buch, ins Rumänische übersetzte HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar. „Es ist Familienerinnerung, die sich uns darbietet”, erklärte  Joachim Wittstock, der von Wolfgang Fuchs als „Literaturpapst der Rumäniendeutschen” vorgestellt wurde. „Bei der Lektüre galt meine Aufmerksamkeit", so Wittstock, „der Einzelgestalt Joseph Fuchs im Rahmen seiner Generation. Wie hatten Vertreter des Jahres 1913 Zeitgeschehen und Zeitgeschichte erlebt? Und weiterhin beschäftigte mich die Frage nach den thematischen Optionen des Autors. Die beiden Herausgeber sorgten dafür, durch zeithistorische Erläuterungen die nach dem geschichtlichen Verlauf angeordneten Arbeiten als literarische Zeitdokumente verständlich zu machen. Tief greifen ins Leben des Erzählers Joseph Fuchs die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und des Nachkriegs ein – die Deportaton zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion und andere Zwangsmaßnahmen der Jahre um 1950. Gattin und Kinder sind – zwar indirekt, doch folgenreich – an diesen Ereignissen beteiligt.”

Doch nicht nur diese Seite des Autors wurde im Rahmen der Feierlichkeiten gezeigt, sondern auch die heitere, denn Joseph Fuchs, der auch als Joky bekannt war, war ein Bertolt Brecht-Fan. Das war auch der Grund, weswegen die Schauspielerinnen Johanna Adam und Natalie Sigg „Die Moritat von Mackie Messer” sangen, das bekannteste und am meisten gecoverte Lied aus der „Dreigroschenoper” von Bertolt Brecht. Die Musik wurde von Kurt Weill komponiert. Die beiden Schauspielerinnen sangen dann mehrere Lieder, unter underem auch ein originelles Lied, denn das Titelgedicht „Raureif blüht im Stacheldraht” wurde von der in Fogarasch wirkenden Musikerin und Chorleiterin Christiane Neubert vertont. Auch andere Bertolt Brecht-Gedichte,  vertont von Paul Dessau, trugen ganz sympathisch die beiden Schauspielerinnen vor. Die Klavierbegleitung war bei der Organistin Ursula Philippi, in besten Händen.

Das Deutsche Generalkonsulat, vertreten durch die Konsulin Judith Urban, spendete den Imbiss im Anschluss an die Präsentation.

Wolfgang Fuchs bedankte sich während der Feier bei allen, die ihm bei diesem Vorhaben geholfen haben. Dabei habe er festgestellt, dass er viele Freunde hat. Die Feststunde mit der Präsentation des Buches soll Anfang April wiederholt werden, und zwar in Temewar. „Dort wird hoffentlich der Co-Produzent, mein Bruder Wolfram, dabei sein und die Feier moderieren",  hofft Wolfgang Fuchs.

Das Buch liegt kostenlos auf dem Büchertisch im Forumshaus auf.              

Ruxandra STĂNESCU    


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