Von der Fiedel zum Kabarett

Ausgabe Nr. 2325
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Zwischenbericht von einigen Veranstaltungen im Frankophonie-Monat
Ob Spiel-  oder Dokumentarfilme, Ausstellungen oder Theaterdarbietungen, der Monat der Frankophonie in Hermannstadt hatte und hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Nachdem am 7. März die erste Ausstellung eröffnet worden war, gab es am Wochenende danach gleich drei französische Spielfilme im Gong-Theater zu sehen. Am Dienstag der Vorwoche hielt Dr. Laurent Chrzanovski im Teutsch-Haus einen Vortrag in rumänischer Sprache zu Ergebnissen archäologischer Grabungen in Genf, dem „Protestantischen Rom", die Aufschluss boten über die Reformation daselbst. 
 
Bei der Ausstellung, die bis zum 20. Mai im Brukenthalmuseum zu sehen ist, geht es um den Nachbau eines mittelalterlichen Instruments durch den französischen Geigenbauer Gauthier Saillard. Dieser hatte ein halbes Jahr lang in Rumänien recherchiert auf den Spuren der mittelalterlichen Troubadour-Fiedel, französisch „Vièle", und fand schließlich im Hermannstädter Astra-Museum ein uraltes Stück Holz, das ihm geeignet schien, sich an die Arbeit zu machen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist nun im Ausstellungsraum im zweiten Innenhof des Brukenthalpalais zu sehen.  Saillard möchte das Instrument nach Abbau der Ausstellung natürlich auch spielen lassen, und zwar von französischen Musikern. Aber zunächst befindet sich der Geigenbauer auf Recherche in der Mongolei. Mehr dazu finden Sie auf der Webseite des Geigenbauers unter www.gauthiersaillard.wix.com/apprenti-luthier
Ein Highlight war die Drei-Mann-Show „Le Cabaret de l’impossible“ (Das Kabarett des Unmöglichen) am Donnerstag Abend der Vorwoche im Gong-Theater. Drei französischsprachige Kabarettisten – Francois Lavallee (Kanada), Sergio Grondin (La reunion) und Achille Grimaud (Frankreich) – setzten sich auf originelle Weise mit ihrer Muttersprache auseinander. Was auf der Bühne zu sehen und zu hören war, hatten sie bei ihren drei Begegnungen, die reihum in der jeweiligen Heimat der drei Protagonisten, gemeinsam erarbeitet. Es geht dabei um Klischees, um Vorurteile gegenüber den jeweils anderen. Das Publikum erlebt mit, wie eine gemeinsame Sprache noch lange nicht Gemeinsamkeiten hervorruft. Zuweilen fällt es den Zuschauern mit Französischkenntnissen durchaus schwer, den Ausführungen zu folgen. Die drei sprechen nämlich verschiedene Arten von Französisch. Lavallée jenes in Quebec gesprochene, mit Anglizismen versetzt und mit hartem Akzent. Grondin, der Kreole, macht kaum Pausen zwischen den Worten, zeigt ein großes Selbstbewusstsein. Der Bretone Grimaud schließlich befindet sich überraschend für ihn in der Lage einer Minderheit, kann etwas von seinen gekappten Wurzeln erkennen – er spricht zwar kein Bretonisch, es war ihm verboten -, er kann mitfühlen, was es bedeutet, anders zu sein, trotz gemeinsamer Sprache.
Ein ähnliches Experiment könnten für Siebenbürgen drei Sachsen aus drei unterschiedlichen Ortschaften versuchen, z. B. je einer aus Agnetheln, aus Zuckmantel und aus Bistritz. Das dürfte mindestens so spannend werden.

Beatrice UNGAR

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