Monolog mit Monokel

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Luxemburger Kulturtage in Hermannstadt

 

„Als Bestandteil der bereits bestehenden Kooperationen zwischen Hermannstadt und Luxemburg, deren Hauptanliegen es ist, den Geist des Kulturjahres 2007 und den Austausch zwischen den beiden Völkern aufrecht zu erhalten" verstehe sich laut den Organisatoren die Initiative der Luxemburger Kulturtage, die vom 13. bis 15. März in Hermannstadt stattgefunden haben.

Diese Initiative geht auf den Besuch der Luxemburger Kulturministerin Octavie Modert im Juni 2012 in Hermannstadt zurück. Während ihres zweitägigen Besuches hatte die Kulturministerin gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Johannis angekündigt, das Pilotprojekt „Luxemburger Kulturtage" umsetzen zu wollen, um die „ohnehin ausgezeichneten Beziehungen zwischen Luxemburg und Hermannstadt noch weiter zu verstärken".

Die vom Ministerium mit der Koordinierung beauftragte Luxemburger Organisation „Fundamental" hatte in der Tat Darbietungen in verschiedenen Disziplinen vorbereitet:  Theater, literarische Lesungen, Musik und Gastronomie. Man konnte dabei auch auf die tatkräftige Unterstützung des Luxemburger Regisseurs und Schauspielers Daniel Plier zurückgreifen, der am Radu Stanca-Nationaltheater tätig ist.

Zum Auftakt las Steve Carier am Mittwoch Nachmittag im Luxemburghaus unter dem Titel „Von der Wunde zum Aufbruch" Luxemburger Nachkriegsliteratur in deutscher Sprache und anschließend begaben sich Kulturministerin Modert gemeinsam mit Bürgermeister Johannis und den Luxemburger und Hermannstädter Delegationen zur Premiere an der deutschen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters, in der Daniel Plier die Hauptrolle spielte.

Am Donnerstag gab es dann im Atrium-Café ein Konzert mit den Musikerinnen Sascha Ley und Natascha Gehl. „Ich habe mich sofort in sie verliebt“, gab Daniel Plier offen zu. Er habe Sascha Ley vor einigen Jahren in Luxemburg live erlebt und nun zu den Luxemburger Tagen nach Hermannstadt eingeladen. Zusammen mit Natascha Gehl am Akkordeon verzauberten die beiden Musikerinnen das Hermannstädter Publikum am Donnerstagabend im Atrium Café. Es war eine Freude den beiden Damen zuzusehen, wie sie sich auf der kleinen improvisierten Bühne entfalteten. Man wusste als Zuschauer nie, was als nächstes kommt. Vom eher klassischen Chanson gingen die Musikerinnen zum Jazz über und dann zu einer experimentellen Art die Stimme mittels eines Vocoders zu verändern, was sehr lustig klang. „Wir betiteln die Musik, die wir machen als Sophisticated Crossover, weil wir auf eine kabarettistische Art mit Sounds spielen“, erklärt die Sängerin Sascha Ley gegenüber der Hermannstädter Zeitung. Sascha und Natascha begeisterten das Hermannstädter Publikum mit viel Charme und guter Musik. Nach dem Konzert gab es noch eine leckere luxemburgische Spezialität zum Probieren: „Kniddelen mat Speck“.

Beeindruckend war am Freitag der Monolog „Monocle" (Monokel) mit Luc Schiltz, der in die Rolle einer Frau schlüpfte, die durch ein Porträt von Otto Dix in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Es handelt sich um die deutsche Lyrikerin und Journalistin Sylvia von Harden eigentlich Sylvia von Halle (1894-1963), deren 1926 entstandenes Porträt als Markenzeichen der Neuen Sachlichkeit gilt. Regie führte Stéphane Ghislain Roussel. In der Inszenierung versuchen Regisseur und Darsteller, die Zeit, in der das Porträt entstanden ist, vor den Augen und Sinnen der Zuschauer lebendig werden zu lassen. Der gelungene Versuch erntete minutenlangen Applaus.

Cynthia PINTER

Beatrice UNGAR


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